Smarthome

zVg

27.01.2026
Roger Huber

Wie das Smarthome alltagstauglich wird

Smarthome boomt. Wer Lampen, Roboter und Ladepunkt will, die sauber zusammenspielen, kauft heute lieber Services statt nur ein neues Gerät. Hier liegt auch die Chance für die Elektrobranche: In Planung, Inbetriebnahme, Wartung und einem stabilen Rückgrat im Netzwerk,das den ganzen Zauber zuverlässig trägt.

Die gute Nachricht zuerst: Die Ku?nstliche Intelligenz hat jetzt auch verstanden, wie man Rasen schneidet, Bo?den wischt und Katzenhaare aus Teppichen holt. Die schlechte: Sie weiss das alles nur, solange der Cloud-Anbieter gerade keinen schlechten Tag hat – oder sich der Hersteller nicht still und leise aus dem Markt verabschiedet. Dann bleibt vom «smarten» Zuhause oft nur teurer, gut vernetzter Elektroschrott. U?berall KI, u?berall Abos, u?berall «Pro» und «Ultra» – und doch sind es am Ende dieselben banalen Fragen: Funktioniert das bei mir zu Hause auch ohne Internet? Und wer ku?mmert sich morgen um Wartung, Sicherheit und Integration?

Fu?r Elektroprofis ist das keine Bedrohung, sondern eine Einladung. Denn zwischen Gadget-Hype und Alltagsnutzen klafft eine Lu?cke, die man mit sauber geplanter Infrastruktur, lokaler Logik, Interoperabilita?t (Matter/Thread/KNX) und vernu?nftigen Services fu?llen kann. Genau hier liegt das Gescha?ft – nicht im na?chsten «Wow»-Feature.

 

Wischroboter, die Service brauchen

Bei den Haushaltsrobotern hat die Entwicklung sichtbar Fahrt aufgenommen. Saug-/Wischmodelle wie der Dreame Aqua10 Ultra Roller Complete sind nicht mehr nur nett, sondern nehmen spürbar Arbeit ab. Die neue Robo-Generation wischt ernsthaft gut, navigiert sicherer und wartet sich an der Dockingstation gleich mit (heissem) Rollenwaschen und Trocknen. Modelle wie Dreame Aqua10 Ultra Roller Complete setzen auf permanente Mopp-Pflege, grosse Frischwasser-/Staubtanks und eine stabile LiDAR-ToF-Navigation samt Livebild – stark fu?r Hartbo?den und Haushalte mit Tieren. Der Frischwassertank fasst 4,0 Liter, der Staubbeutel 3,2 Liter. Gegen Gerüche helfen eine Beuteltrocknung und eine UV-Lichtreinigung des Grauwassertanks. Die Servicestation dosiert beide automatisch in den Wischtank. Optional lässt sich die Station an Zu- und Abwasser anschliessen. Die App bietet Zonenreinigung, Sperrflächen, mehrstöckige Karten, 3D-Map, Wartungsinfos, Ruhemodus und fortgesetzte Reinigung. Livebild und Zwei-Wege-Audio sind integriert und praktisch, um unterwegs nachzuschauen oder Haustiere zu beobachten. Die Mopp-Anhebung schützt Teppiche im Wischbetrieb. Sprachsteuerung, WLAN und OTA-Updates sind an Bord. Wichtig ist weniger das Datenblatt als die Umsetzung: Wo muss die Station sinnvoll platziert werden (Strom, Abfluss optional), wie die Karten anlegen und die Zonen definieren, wie werden die Rollen und Filter regelma?ssig gewartet? Wie werden Räume sinnvoll eingeteilt? Welche Flächen sollen gemieden werden? Genau hier entsteht Service: hinfahren, einmessen, erklären – und später die Wartung.

Im Wettbewerbsumfeld schiebt sich Mova Z60 Ultra Roller als harte Konkurrenz in die erste Reihe: In Tests wurde das Gera?t als «Star fu?rs Saubermachen» gehandelt – ein Hinweis darauf, dass der Markt jenseits der Platzhirsche (Roborock/Dreame) breiter wird. Die Navigation ist eine der cleversten, die man bislang erlebt hat. Dank des einfahrbaren Laserturms («FlexiRise») kann der Roboter unter Sofas fahren, ohne anzustossen. Möbelkanten? Werden präzise erkannt. Hindernisse? Bis zu acht Zentimeter hohe Türschwellen überwindet er mühelos – ein seltener Wert in dieser Geräteklasse. Nur bei engen Strukturen, etwa Stuhlgestellen, verliert er etwas Tempo. Die Kantenreinigung ist gut, aber nicht makellos: Ein kleiner Abstand bleibt ungewischt, was im Alltag kaum auffällt. Mit dem Saugroboter mit Wischfunktion Narwal Flow wiederum gibt es ein Ökosystem für alle, die möglichst wenig nachdenken wollen: hinstellen, einrichten, laufen lassen – sofern das Heimnetz mitspielt.

 

Ma?hroboter mit Plan

Draussen im Garten gilt Ähnliches. Dann sind Segway Navimow X350 (X3-Serie) und Mammotion Luba Mini gute Aufha?nger: Das eine fu?r Fla?che und Robustheit, das andere als kompakter Flitzer. Beide stehen fu?r den Wechsel weg vom improvisierten Draht, hin zur sauberen Kartierung und ver-nu?nftigen Sicherheitszonen. Planung, Kalibrierung, Hinderniserkennung (Kinder/Tiere!), Einrichtung, Wartung und Saisoneinlagerung sind klassische Dienstleistungen, die Endkunden ungern allein stemmen.

 

Zutritt und Kamera

Auch beim Zutritt wächst die Nachfrage nach Lösungen, die einfach funktionieren. Nuki Smart Lock Go und Aqara U200 rüsten bestehende Türen nach, ohne die Schliessanlage auszutauschen – praktisch für Mietobjekte und bei Stockwerkeigentum – und bringen Alltagsnutzen. In Kombination mit Somfy TaHoma lassen sich Tür, Tor, Storen und Aussenlicht in Szenen bringen; wer will, ergänzt eine Video-Türklingel und Kameras. Wichtig bleibt: Datenschutz und gesunder Menschenverstand. 

Kameras so montieren, dass Nachbarn und öffentlicher Raum nicht unnötig im Bild sind, Speicher sinnvoll wählen und Zugriffsrechte klar vergeben. Das ist Beratung, nicht Moral – und ist bezahlt.

 

Powerline und WLAN, die wirklich tragen

Viele Bestandsbauten leiden nicht an fehlenden Smarthome-Ideen, sondern an schlechtem Netz. Damit all das zuverlässig läuft, braucht es ein Netz, das trägt. Hier hat uns ein Testgerät positiv überrascht: Devolo Magic 2 WiFi 6 next. Viele Schweizer Wohnungen und Häuser sind nicht für nachträgliches Ethernet gemacht, und reines WLAN durch dicke Decken und Wände kommt schnell an Grenzen. Devolo nutzt die vorhandenen Stromleitungen als Datenweg und baut darauf ein modernes WLAN auf. In unserem Praxistest im Altbau (siehe auch Testbericht Seite 54) war die Einrichtung schnell erledigt: Adapter in die Steckdose, per App koppeln, ein paar Minuten warten – fertig. Danach war die Funkabdeckung merklich besser, die Smarthome-Hubs (von Roboter-Dock bis Türsteuerung) blieben stabil online, Videostreams der Kameras ruckelten nicht mehr, und auch das TV-Setup lief ohne Murren. Unser Fazit fällt wohlwollend aus: Devolo Magic 2 WiFi 6 next ist für Bestandsbauten eine elegante Brücke, wenn man keine Kabel ziehen will oder kann. Es ersetzt keine saubere LAN-Verkabelung, aber es bringt in der Praxis genau den Schub, den viele Installationen brauchen – und spart Bauarbeiten. Für Dienstleister heisst das: Site-Survey anbieten, Steckdosenstandorte planen, Messprotokoll abgeben, fertig ist ein Produkt-plus-Service-Paket, das sofort spürbaren Nutzen stiftet. Devolo Magic 2 WiFi 6 next liefert u?ber Stromleitungen brutale Reserven (theoretisch bis 2400 Mbit/s Downlink) und bringt 5-GHz-WLAN mit erho?hten Datenraten – perfekt, wenn Ethernet fehlt, nicht möglich ist und Mesh allein nicht reicht. Neben weiteren zahlreichen Mesh-Funktionen setzt Devolo auch wieder auf stromsparende Eigenschaften. Der Magic 2 Wifi 6 next nutzt dazu die Funktion «Target Wake Time», die Endgeräte länger «schlafen» schickt, wenn sie keine konstante Funkverbindung brauchen. Zudem schalten sich die Magic-2-Adapter wieder von allein in den Energiesparmodus, sobald sie nicht benötigt werden. Der Praxisnutzen fu?r Kunden ist klar: stabile Streams, sichere Kameras, verlässliche Hubs – und das ohne Bohrlärm.

 

KNX trifft Zigbee/Thread/Matter

Wer tiefer in die Architektur geht, denkt heute «Brücken statt Inseln». In vielen Häusern bleibt KNX das verlässliche Rückgrat für Grundfunktionen wie Licht und Beschattung. Gleichzeitig wünschen Kundinnen und Kunden die Flexibilität der Funkwelt mit modernen Geräten und Automationen. Lösungen wie Aqara Studio schlagen hier die Brücke: Kabel-Beständigkeit trifft auf offene Anbindung an die neue Gerätewelt. Technisch kann man das ausschmücken – entscheidend ist die Idee dahinter: Das Haus bleibt handlungsfähig, auch wenn die Internetverbindung einmal streikt, und es bleibt erweiterbar, wenn später etwas dazukommen soll.

Wer Kameras will, fährt gut mit einem lokalen Speicher (Hub oder NAS), damit auch bei Cloud-Problemen nichts ausfällt. Und für die Basis im Netz hat sich, wie gesagt, Devolo Magic 2 WiFi 6 next als starker Problemlöser erwiesen.

Unterm Strich ist die Zukunft des Smarthomes in der Schweiz erstaunlich bodenständig: Menschen möchten, dass es einfach funktioniert – und dass sich jemand kümmert. Genau das ist die Stärke der Elektrobranche. Planung, saubere Inbetriebnahme, verständliche Übergabe und ein Wartungsangebot, das nicht nach «Abo-Falle», sondern nach Ruhe im Betrieb klingt. Wer das liefert, verkauft nicht nur Geräte – sondern Verlässlichkeit.


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