

An der SVES-Jahresveranstaltung 2026 bei der SABAG in Rothenburg diskutierten Fachleute die Bedeutung von Gebäudelabels, die Zukunft der Energieetikette Sanitär und europäischer Kennzeichnungssysteme. (Bilder: zVg)
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Nachhaltigkeitslabels im Sanitärbereich
Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft verändern die Sanitärbranche. An der SVES-Jahresveranstaltung 2026 bei der SABAG in Rothenburg diskutierten Fachleute die Bedeutung von Gebäudelabels, die Zukunft der Energieetikette Sanitär und europäischer Kennzeichnungssysteme. Das Fazit: Glaubwürdige Effizienzinformationen werden für Hersteller, Handel und Planer immer wichtiger.
Sanitärarmaturen und Duschbrausen sind kleine Bauteile mit grosser Wirkung: Sie beeinflussen massgeblich den Wasserverbrauch und den Energiebedarf für Warmwasser. Gleichzeitig gewinnt die Bewertung von Gebäuden nach Nachhaltigkeitskriterien an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund steht die Branche vor neuen Fragestellungen: Welche Anforderungen stellen Gebäudezertifizierungen an Sanitärprodukte? Wie entwickeln sich die verschiedenen Labels und Kennzeichnungen in der Schweiz und Europa weiter?
Antworten darauf gab die Jahresveranstaltung 2026 des Schweizerischen Verbands für energieeffiziente Sanitärprodukte (SVES), die kürzlich bei der SABAG in Rothenburg stattfand.
Die Veranstaltung zeigte: Die Energieetikette Sanitär bleibt ein wichtiges Instrument, um Energie- und Wassereffizienz sichtbar und vergleichbar zu machen. Gleichzeitig rücken neue Themen wie Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung und digitale Produktinformationen stärker in den Fokus.
Grösster Hebel liegt bei Produkten
Diese Entwicklungen hat die Branche erkannt. Ein Beispiel dafür ist die Firma SABAG. Laura Hahn, Nachhaltigkeitsverantwortliche im Unternehmen, erklärte, wie Nachhaltigkeit systematisch verankert wird. Nach verschiedenen Massnahmen im Bereich Ökologie und Ressourcenschonung publizierte die SABAG-Gruppe 2025 erstmals eine umfassende CO2-Bilanz sowie einen Nachhaltigkeitsbericht. Die Analyse bestätigt eine Erkenntnis, die für Handelsunternehmen typisch ist: Rund 99% der Treibhausgasemissionen entstehen nicht im eigenen Betrieb, sondern entlang der Wertschöpfungskette – bei Herstellung, Transport und Entsorgung der gehandelten Produkte (Scope 3). Der grösste Hebel liegt somit bei den Produkten selbst.
Interessant sind deshalb die Verkaufszahlen im Bereich Sanitärarmaturen. In den letzten Jahren gehörten rund die Hälfte der verkauften und mit der Energieetikette gekennzeichneten Armaturen der Energieeffizienzklasse A an. Eine interne Befragung der Ausstellungskommission zeigt, dass die Kunden nur selten aktiv nach Energieeffizienz bei Sanitärprodukten fragen und das diesbezüglich noch ein Potential nach oben besteht. Deshalb entwickelt SABAG neue Informations- und Kennzeichnungssysteme für ihre Ausstellungen. So erhalten nachhaltige Produkte mehr Sichtbarkeit, und die Kundschaft kann bei der Wahl von energie- und wassersparenden Produkten gezielt unterstützt werden.
Gebäudelabels setzen klare Anforderungen an Armaturen
Die Nachhaltigkeitsanforderungen im Bauwesen werden griffiger und gewinnen kontinuierlich an Bedeutung. Dies betonte Ecobau-Geschäftsführerin Marianne Stähler in ihren Ausführungen. Gebäudelabels wie Minergie-ECO oder der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) dienen Bauherrschaften, Planern und Investoren als Orientierungshilfe für nachhaltige Gebäude und beeinflussen damit auch die Anforderungen an Sanitärprodukte. Für Sanitärarmaturen stehen dabei vor allem der Wasserverbrauch, der Energiebedarf für Warmwasser sowie die Ressourcenschonung im Fokus. So verlangen Minergie-ECO und SNBS heute beispielsweise bei Waschtischarmaturen die Energieeffizienzklasse A und bei Duscharmaturen die Klassen A oder B der Energieetikette Sanitär.
Auch wenn die graue Energie von Armaturen heute noch eine untergeordnete Rolle spielt, zeichnen sich am Horizont verschiedene Themen ab, die in diese Richtung zielen. Dazu gehören insbesondere Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung, Recyclingfähigkeit sowie Rücknahme- und Wiederverwertungssysteme. Auf dem Vormarsch sind auch digitale Produktinformationen – der entsprechende Produktpass soll künftig Informationen zu Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus verfügbar machen.
Energieeffiziente Produkte sichtbarer machen
Damit stellt sich auch für die Sanitärbranche zunehmend die Frage, wie energie- und wassersparende Produkte im Markt besser positioniert werden können. Ein möglicher Ansatz sind standardisierte Ausschreibungstexte im Rahmen von ecoDevis. Dadurch könnten Planer energieeffiziente Armaturen und Duschbrausen einfacher in Ausschreibungen integrieren.
Zusätzliche Chancen bieten unabhängige Produktbewertungen und Zertifizierungen im Rahmen von ecoProdukte. Dieser Hinweis stiess beim SVES auf Interesse. Denn die Energieetikette Sanitär ist zwar in der Branche etabliert, doch ihr Potential wird im Planungs- und Ausschreibungsprozess noch nicht vollständig ausgeschöpft.
Blick hinter die Kulissen von SABAG
Ein besonderer Programmpunkt war die Führung durch Ausstellung, Produktion, Lager und Spedition der SABAG. Ramona Bögli und Sandra Prendi gewährten den Teilnehmern einen Einblick in die Abläufe des Unternehmens – von der Kundenberatung über die Fertigung von Holzelementen bis hin zur Logistik.
Besonderes Interesse galt naturgemäss den ausgestellten Armaturen und Duschbrausen. Die Ausstellung zeigte die enorme Vielfalt des heutigen Sanitärmarktes. Einerseits profitieren Kunden von einer grossen Auswahl an Designs, Farben und Funktionen. Andererseits gibt es eine überwältigende Vielzahl an Produkten. Die Berater begegnen dieser Herausforderung mit einer gezielten Bedürfnisanalyse: Mit Fragen zu Budget, Design, Farbe oder Funktion kann die Auswahl rasch auf wenige passende Produkte eingegrenzt werden.
Diskutiert wurde unter den Teilnehmern auch die Sichtbarkeit der Energieetikette Sanitär in den Ausstellungen. Viele sehen darin eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Energieeffizienz von Produkten stärker ins Bewusstsein der Kundschaft zu rücken.
Europa sucht nach gemeinsamem Wasserlabel
Ein wichtiger Diskussionspunkt an der SVES-Veranstaltung waren die Entwicklungen auf europäischer Ebene. Während die Europäische Union in den vergangenen Jahrzehnten für zahlreiche Produktgruppen Energieetiketten eingeführt hat, existiert für Sanitärprodukte bis heute kein europaweit verbindliches Kennzeichnungssystem für Energie- und Wassereffizienz. Dies führte dazu, dass verschiedene Länder eigene Lösungen entwickelten. Neben der Schweiz gehören dazu beispielsweise Schweden und Portugal. Für Hersteller und Handel bedeutet diese Fragmentierung einen erheblichen administrativen und finanziellen Aufwand.
Daher versucht die Unified Water Label Association (UWLA) seit einigen Jahren, europaweit ein einheitliches Kennzeichnungssystem zu etablieren. Das Unified Water (UW) Label orientiert sich in seiner bisherigen Form stark an der Schweizer Energieetikette Sanitär.
Heute sind im EU-Raum rund 22 000 Produkte mit dem UW-Label registriert – von WC-Anlagen, Badewannen über Armaturen bis hin zu Duschbrausen. Im Vergleich: In der Schweiz sind über 7300 Produkte («nur» Armaturen, Duschbrausen und Wassersparer) mit der Energieetikette Sanitär erfasst – gemessen an der Marktgrösse eine deutlich höheren Marktdurchdringung als in der EU.
UW-Label steht vor Neuausrichtung
Das Unified Water Label wird derzeit umfassend überarbeitet. Auslöser sind Rückmeldungen europäischer Marktüberwachungsbehörden. Sie beurteilen das bisherige Design mit Pfeilen und Effizienzklassen als zu ähnlich zur offiziellen EU-Energieetikette. Die ersten Entwürfe des neuen UW-Labels deuten darauf hin, dass künftig der Wasserverbrauch in den Mittelpunkt rücken könnte, während über Energieverbrauch und Warmwassersparen weniger prominent informiert wird.
Für die Schweiz ist diese Entwicklung nicht unproblematisch. Denn der zentrale Gedanke der Energieetikette Sanitär besteht darin, den Energieverbrauch für die Warmwasserbereitung sichtbar zu machen. Gerade im Gebäudebereich ist der Energiebedarf für Warmwasser häufig deutlich relevanter als die eingesparte Wassermenge – und deshalb ist es in der Schweiz wichtig und richtig, den Fokus darauf zu richten. Der SVES verfolgt die Entwicklung deshalb aufmerksam. Sobald die endgültige Ausgestaltung des neuen UW-Labels bekannt ist, müssen die Konsequenzen für die Schweiz genau geprüft werden.
Über 7300 Produkte tragen Energieetikette Sanitär
Roger Wondrusch, Präsident des SVES, präsentierte die Entwicklungen rund um die Energieetikette Sanitär. Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung des freiwilligen Engagements der Hersteller: Ende 2025 waren, wie bereits erwähnt, mehr als 7300 Produkte in der Datenbank registriert. Gegenüber Mitte 2024 entspricht dies einem Wachstum von rund 8%.
Unter den gelisteten Produkten finden sich rund 3300 sogenannte Tochterprodukte. Technisch entsprechen sie einem bereits registrierten Mutterprodukt und unterscheiden sich lediglich durch optische Merkmale wie Farbe oder Oberfläche.
Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte aller registrierten Produkte befindet sich in der Effizienzklasse A. Weitere 18% gehören zur Klasse B. Daneben sind auch weniger effiziente Produkte der Klassen F und G vertreten. Die Datenbank dürfte damit den Markt realistisch abbilden.
Glaubwürdigkeit wird zu entscheidendem Erfolgsfaktor
Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit gewinnt die Glaubwürdigkeit von Umwelt- und Effizienzversprechen zunehmend an Bedeutung. In der Werbung kann jeder Anbieter «Energie- und Wassereinsparungen von über 50%» versprechen. Um sogenanntes Greenwashing zu unterbinden, verschärft die Europäische Union mit der EmpCo-Richtlinie die Anforderungen an Umweltaussagen. Ab Ende September 2026 sollen irreführende oder nicht belegbare Umweltversprechen deutlich eingeschränkt werden.
Genau hier liegt eine der grossen Stärken der Energieetikette Sanitär. Die Klassifizierung basiert auf einem standardisierten Messverfahren und klar definierten Kriterien. Die Einstufung erfolgt nachvollziehbar und transparent in die Klassen A bis G. Entwickelt wurde das System gemeinsam von Herstellern, SVGW, Suissetec, SIA, dem Bundesamt für Energie und Experten aus den Bereichen Architektur und Planung. Damit bietet die Energieetikette eine verlässliche Orientierung für Planer, Installateure, Handel und Endkundschaft.
Qualitätssicherung stärkt das Vertrauen
Damit diese Glaubwürdigkeit erhalten bleibt, führt der SVES regelmässig Qualitätskontrollen durch. Dabei wechseln sich Laborprüfungen und Kontrollen der deklarierten Werte in Verkaufsunterlagen im Zweijahresrhythmus ab. Im Rahmen der Qualitätssicherung 2025 wurden die rund 6000 in der SVES-Datenbank erfassten Armaturen mit den 11 500 Armaturen in der Datenbank des Schweizerischen Grosshandelsverbands der Sanitären Branche (SGVSB) abgeglichen.
In diesem Jahr werden zufällig ausgewählte Armaturen, Duschbrausen und Wassersparer im Labor geprüft. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen, dass nur bei wenigen Produkten Unstimmigkeiten bei den deklarierten Werten festgestellt wurden. Dies bestätigt, dass die Energieetikette Sanitär ihre Funktion als glaubwürdiges und transparentes Informationsinstrument erfüllt.
Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil
Die SVES-Jahresveranstaltung 2026 machte deutlich, dass sich die Sanitärbranche in einem Wandel befindet. Energieeffizienz bleibt ein zentrales Thema, wird künftig jedoch stärker mit Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und Produkttransparenz verknüpft. Für Hersteller, Handel und Installateure eröffnet dies neue Chancen. Wer glaubwürdige energie- und wassersparende Produkte anbietet und deren Nutzen verständlich kommuniziert, kann sich in einem zunehmend nachhaltigkeitsorientierten Markt erfolgreich positionieren. Die Energieetikette Sanitär bleibt dabei ein wichtiges Instrument, um Effizienz sichtbar zu machen und den Kunden eine verlässliche Orientierung zu bieten.



