Geothermie in der Schweiz

Ein Ingenieur bereitet die Seismometerkette vor, die in der Bohrung installiert wird, um die Mikroseismizität zu überwachen. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

08.01.2026
Mathias Küng / PW

Geothermie Haute-Sorne: es geht weiter

In Haute-Sorne im Kanton Jura soll ein Pilotprojekt zeigen, ob tiefe Geothermie auch in der Schweiz funktionieren kann. Das Projekt ist jetzt einen wichtigen Schritt weiter.

In der August-Ausgabe 5/25 der HK-Gebäudetechnik haben wir im Rahmen einer kleinen Serie über Geothermie in der Schweiz das Geothermie-Pilotprojekt in Haute-Sorne im Kanton Jura vorgestellt. Dort soll ein Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 5 MWel entstehen. Eine erste Bohrung hat stattgefunden. Danach wurden Anfang Juli 2025 Stimulationsmessungen in der Tiefbohrung durchgeführt. Inzwischen sind deren Ergebnisse bekannt.

Peter Meier (CEO von Geo-Energie Suisse AG) und Olivier Zingg (Direktor der Geo-Energie Jura SA) mit verwendeten Bohrmeisseln neben dem Besucherpavillon. (Foto: Mathias Küng)

Peter Meier (CEO von Geo-Energie Suisse AG) und Olivier Zingg (Direktor der Geo-Energie Jura SA) mit verwendeten Bohrmeisseln neben dem Besucherpavillon. (Foto: Mathias Küng)

Eine Kette aus acht Seismometern, die durch Kabel miteinander verbunden sind, wartet darauf, in der Bohrung in 3800 Metern Tiefe installiert zu werden. Diese hochpräzisen Instrumente werden in der Nähe der Wasserinjektionszone im Gestein eingesetzt und ermöglichen eine viel genauere Überwachung der Prozesse im tiefen Untergrund als mit Seismometern an der Oberfläche. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Eine Kette aus acht Seismometern, die durch Kabel miteinander verbunden sind, wartet darauf, in der Bohrung in 3800 Metern Tiefe installiert zu werden. Diese hochpräzisen Instrumente werden in der Nähe der Wasserinjektionszone im Gestein eingesetzt und ermöglichen eine viel genauere Überwachung der Prozesse im tiefen Untergrund als mit Seismometern an der Oberfläche. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Im Anschluss an die Stimulationstests wurden zusätzliche geophysikalische Messungen in der Bohrung durchgeführt. Dank der im Bohrloch installierten Seismometerkette konnten die von einem Vibrationsfahrzeug erzeugten Vibrationen aufgezeichnet und so die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellen im Boden bestimmt werden. Anhand dieser Informationen können Geophysiker ihre Modelle kalibrieren. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Im Anschluss an die Stimulationstests wurden zusätzliche geophysikalische Messungen in der Bohrung durchgeführt. Dank der im Bohrloch installierten Seismometerkette konnten die von einem Vibrationsfahrzeug erzeugten Vibrationen aufgezeichnet und so die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellen im Boden bestimmt werden. Anhand dieser Informationen können Geophysiker ihre Modelle kalibrieren. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Ingenieure überprüfen die Bohrlochseismometer-Aufzeichnung der vom Vibrationsfahrzeug erzeugten Signale. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Ingenieure überprüfen die Bohrlochseismometer-Aufzeichnung der vom Vibrationsfahrzeug erzeugten Signale. (Foto: Geo-Energie Suisse AG)

Laut Geo-Energie Suisse AG und Geo-Energie Jura SA bestätigen die Tests, «dass die Durchlässigkeit des Gesteins ausreichend gesteigert werden kann, um ein nutzbares geothermisches Reservoir zu schaffen – unter Einhaltung der vorgegebenen seismischen Grenzwerte». Die Neubewertung des seismischen Risikos auf Basis der aktuellen Ergebnisse falle günstiger aus als die Schätzungen, die der Projektbewilligung von 2015 zugrunde lagen.

Was heisst das konkret? Als Ausgangsbasis dienten die Ergebnisse des 2009 abgebrochenen Geothermieprojekts in Basel, nachdem es ein Erdbeben ausgelöst hatte. In Haute-Sorne «waren die seismischen Reaktionen 60- bis 70-mal tiefer als damals in Basel», erläutert Olivier Zingg, Direktor der Geo-Energie Jura SA. Anders formuliert: Es seien hier keine seismischen Ereignisse wahrgenommen worden, jedoch wurde – wie erwartet – Mikroseismizität beobachtet. 

 

Eigens entwickeltes Multi-Stage-Stimulationssystem zeigt positive Wirkung

In Haute-Sorne wurde ein von der Geo-Energie Suisse AG eigens entwickeltes Multi-Stage-Stimulationssystem eingesetzt, das bereits bei einem neuen Geothermiekraftwerk in Utah (USA) schon erfolgreich angewendet worden ist. Die Arbeiten in Haute-Sorne wurden und werden im Auftrag des Kantons unabhängig vom Schweizerischen Erdbebendienst der ETH Zürich genauestens verfolgt.

Die ersten beiden Berichte zu den Tests sind den Behörden des Kantons Jura übergeben worden, weitere Berichte sollen in den kommenden Monaten folgen. Gibt es bereits erste Rückmeldungen? Dafür sei es noch zu früh, sagt Olivier Zingg. Indessen ist eine erste Nachfrage eingetroffen, an deren Beantwortung man nun ist.

Geo-Energie-Suisse-CEO Peter Meier hat diese ersten Erkenntnisse im Oktober auch am Internationalen Geothermie-Kongress in Zürich vorgestellt. «Die Reaktionen darauf waren sehr positiv», sagt Zingg: «Die ganze Branche ist sehr interessiert an unserem Pilotprojekt.»

 

Weitere mögliche Standorte sollen frühzeitig evaluiert werden

Die Geo-Energie Suisse AG plant, in den kommenden Jahren Standorte für Projekte mit einer elektrischen Leistung von 10, 20 oder gar 30 MW zu evaluieren – idealerweise in Kombination mit Wärmeproduktion. Ist es aber dafür nicht noch zu früh? Olivier Zingg schüttelt den Kopf: «Nein, wenn in Haute-Sorne alles klappt und wir das Kraftwerk bauen können, produziert es ab 2029 Strom. Damit mögliche weitere Kraftwerke mit Blick auf die Energiewende innert nützlicher Frist Strom liefern können, müssen wir solche angesichts der sehr langen Verfahrensdauern schon früher evaluieren.» Haben Sie denn schon erste Standorte? Da winkt Zingg ab: «Nein, dafür ist es wirklich noch zu früh.»

 

«Gestehungskosten unter 15 Rappen/kWh realistisch»

Die Verantwortlichen Peter Meier und Olivier Zingg sind aufgrund von Erfahrungen mit der Entwicklung vergleichbarer Projekte im Ausland überzeugt, dass es realistisch ist, in der Schweiz mit Geothermie CO2-freien und rund um die Uhr verlässlich verfügbaren Strom zu Gestehungskosten von unter 15 Rappen zu pro­duzieren. Zingg fügt an: «Dieser Preis ist gegenüber anderer erneuerbarer Energie auf jeden Fall konkurrenzfähig.»

Die Wirtschaftlichkeit verbessere sich zusätzlich, wenn Strom- und Wärmeerzeugung kombiniert werden können. Aber auch ohne zusätzliche Wärmeabgabe wäre man wirtschaftlich gut unterwegs, ergänzt Zingg. Für die beiden Verantwortlichen Meier und Zingg ist klar: Aufgrund seiner Eigenschaften stellt geothermisch erzeugter Strom eine ideale Ergänzung zu anderen erneuerbaren Energien dar.

 

Jetzt ist die jurassische Regierung am Zug

Doch als Nächstes steht die gründliche Prüfung der bereits abgegebenen und noch folgenden Berichte aus Haute-Sorne durch die Kantonsregierung und durch unabhängige, vom Kanton beauftragte Experten aus sicherheitstechnischer Sicht an. Auf Grundlage ihrer fachlichen Bewertungen werden die kantonalen Behörden anschliessend über die Weiterführung des Projekts entscheiden. Auch wir von der HK-Redaktion bleiben dran. 

 

geo-energie-suisse.ch

geo-energie-jura.ch


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