

My home is my castle – Mein Zuhause ist mein Schloss, sagt ein geflügeltes Wort im Englischen. Historisch gesehen waren Schlösser meist, um ein weiteres geflügeltes Wort zu bemühen, gesichert wie Fort Knox. Auch heute noch sollte uns unser Zuhause vor allem eins vermitteln: Sicherheit. Doch wie macht man das in einer Zeit, in der Wassergräben, Schiessscharten und Schlossmauern aus der Mode gekommen sind?
Cyberbedrohungen im Smarthome
Smart, smarter, Schweizer Haushalte. Dies sagen zumindest die Resultate des aktuellen Smart Products Report 2025 der Universität St. Gallen. Demnach besitzen oder nutzen heute 85 Prozent der Befragten smarte Produkte – 17 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Natürlich macht ein smarter Saugroboter, Fernseher oder Lichtschalter aus einer Wohnung noch kein Smarthome. Allerdings ist jedes smarte Gerät ein potentielles Hintertürchen für Angriffe aus dem Cyberspace. Denn damit Geräte smart sein und von überall auf der Welt überwacht und gesteuert werden können, müssen sie mit dem Internet verbunden sein. Das Argument, dass ein Cyberangriff ja sicherlich nicht das Zuhause von Herrn Müller oder die Ferienwohnung von Frau Meier zum Ziel haben wird, stimmt nur bedingt. Denn so manchem Hacker geht es nicht um Geld oder Daten, sondern nur darum zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man nur weiss, wie. Erleichtert werden solche Angriffe, wenn die smarten Produkte spottbillig bei irgendeinem Discountanbieter im Internet bestellt werden. Geiz mag vielleicht geil sein, für Sicherheit sorgt er nicht.
Ist Matter die Lösung?
2022 ging Matter an den Start, um das Smarthome nicht nur einheitlicher, sondern auch sicherer zu gestalten. Mit Verschlüsselungs- und Blockchain-Technologie wird der Schutz von Matter-Umgebungen deutlich erhöht; das Einschleusen von Malware, das Kapern von Devices und der Datenklau werden extrem erschwert. Aktuell läuft Matter auf der Version 1.4.2, allerdings verbreitet sich der Standard wesentlich langsamer als gedacht und erhofft. Gerade der Bereich der Gebäudesicherheit – zum Beispiel Überwachungskameras oder Videotürklingeln – ist bei den Matter-Geräten ironischerweise noch untervertreten. Ausserdem hinkt die Integration von Matter in bestehende Produktpaletten bei den Herstellern der Entwicklung hinterher. Der Weg zum einfachen, sicheren Smarthome-Ökosystem ist noch weit, doch es hat sich seit der Einführung 2022 gezeigt, dass Matter grundsätzlich funktioniert. Wer auf Matter-Geräte keinen Wert legt, sollte bei seinen smarten Produkten zumindest darauf achten, regelmässige Software- und Sicherheitsupdates durchzuführen oder sie von den Geräten selbstständig durchführen zu lassen.
Kniffe zur Cybersicherheit
Generell empfiehlt es sich, der Cybersicherheit in den eigenen vier Wänden mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dies gemeinhin getan wird. So sollte zum Beispiel das Heimnetzwerk mit einer Firewall geschützt werden, und das voreingestellte Passwort des Routers sollte möglichst schnell nach Inbetriebnahme geändert werden. Experten empfehlen für die Absicherung eines WLAN ein Passwort von mindestens 20 Zeichen, möglichst unter Verwendung von Gross- und Kleinschreibung, Ziffern und Sonderzeichen. Noch mehr Sicherheit bietet eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Experten empfehlen auch, ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) einzurichten, eine Art verschlüsselter Tunnel, der die Privatsphäre online schützt. Oder man setzt gleich auf ein segmentiertes Netzwerk, wie es bei Industrienetzen bereits gang und gäbe ist. So betreibt man über denselben Router ein separates WLAN, in dem nur smarte Geräte eingebunden sind – ohne Zugriff auf sensible Geräte wie Computer.
Gegen Langfinger
Für die meisten Privatpersonen ist die Bedrohung durch physische Einbrecher jedoch weit realer als jene durch virtuelle Schurken. Immerhin werden laut der polizeilichen Kriminalstatistik 2024 in der Schweiz jeden Tag 126 Einbruch- und Einschleichdiebstähle verübt, Tendenz klar steigend. Einen hundertprozentigen Schutz davor gibt es nicht, jedoch kann man viel tun, um das Einbruchsrisiko zu minimieren. Experten sprechen meist von drei Säulen: organisatorische, baulich-technische und elektrotechnische Massnahmen. Im Smarthome lässt sich zum Beispiel Anwesenheit simulieren, wenn man am Strand liegt. Storen werden automatisch aktiviert, Lichter nach einem zuvor definierten Szenario ein- und ausgeschaltet. Glasbruchmelder lösen Alarm aus, wenn ein Fenster eingeschlagen wird, Magnetkontakte melden, wenn Türen und Fenster unbefugt ohne Gewalteinwirkung geöffnet werden. Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern sorgen für helles Licht, wenn jemand im Garten umherschleicht, Aussensirenen und Blitzleuchten leisten einen weiteren Beitrag zur Abschreckung. Vorsicht: Aussensirenen sind in einigen Gemeinden bewilligungspflichtig.
Achtung, Kamera
Ein heikles Thema sind Überwachungskameras. Einerseits tragen sie im Innenbereich nicht dazu bei, einen Einbruch zu verhindern, solange sie nicht mit einem Alarmsystem verknüpft sind, sondern nur Bilder aufs Handy liefern. Man erhält dann lediglich eine Live-Übertragung des Einbruchs. Im Aussenbereich können sichtbar installierte Kameras durchaus zur Abschreckung von Einbrechern beitragen. Allerdings gelten für deren Einsatz strenge Regeln. Unter anderem darf weder das Nachbargrundstück noch der öffentliche Raum, zum Beispiel das Trottoir, erfasst werden. Zudem muss eine Kameraüberwachung klar erkennbar sein. Weitere Regelungen für Kameraüberwachungen auf Privatgrundstücken sind auf der Website des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) abrufbar. Möchte man sein Zuhause gleich mit einer ganzen Alarmanlage schützen, empfiehlt es sich, Fachpersonen beizuziehen, statt selbst zu basteln. So sind eine fachgerechte und zweckmässige Projektierung, Montage, Installation, Inbetriebnahme und Wartung gewährleistet.
Aufmerksam gegen Brände
Eine nicht zu unterschätzende Gefahr fürs Zuhause sind Feuerschäden. In den vergangenen zehn Jahren ereigneten sich im Schnitt pro Jahr 11 000 Schadenfälle durch Feuer an Gebäuden. In jedem zweiten Brandfall ist ein Wohnhaus betroffen. Allein 2024 verzeichneten die 19 kantonalen Gebäudeversicherungen eine Schadensumme von gesamthaft 268,1 Millionen Franken. Zu den häufigsten Brandursachen zählen der unsachgemässe oder fehlerhafte Umgang mit elektrischen Installationen und Geräten sowie Rauchzeug, Kerzen, Feuerarbeiten und Ähnliches. In einem Einfamilienhaus sollten Löschdecken und Feuerlöscher zum Standard gehören, besonders, wenn im Keller, in der Garage oder sonst wo noch eine Hobby-Werkstatt eingerichtet ist. Denn Wasser ist längst nicht in jedem Brandfall das Löschmittel der Wahl. Elektrische Installationen sollten ausschliesslich von Fachleuten vorgenommen werden – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so schwierig erscheint, «ein paar Käbeli» selbst zu verlegen. Der Einsatz von Rauchmeldern ist sinnvoll, um Brände frühzeitig zu erkennen und das Feuer unter Kontrolle zu bringen, bevor es sich ausbreiten kann. Brandmeldeanlagen kommen in privaten Gebäuden aus Kostengründen sozusagen nie zum Einsatz, auch Lösch- oder Sprinkleranlagen sind vor allem etwas für Grossbauten und Tiefgaragen.
Blitz und Donner
Rund ein Drittel aller Brandschäden gehen auf das Konto von Blitzeinschlägen. Allein im Kanton Bern, einer der blitzreichsten Gegenden der Schweiz, gehen pro Jahr rund 30 000 Blitze nieder. Dennoch besteht in vielen Fällen, unter anderem bei Einfamilienhäusern, keine Pflicht, Gebäude mit einer Blitzschutzanlage auszurüsten. Ein freiwilliges Upgrade kann sich aber lohnen, zumal die Kosten für eine komplette Blitzschutzanlage – ein bis zwei Prozent des Gebäudeversicherungswerts – überschaubar sind. Der äussere Blitzschutz oder Blitzableiter schützt dabei vor einem direkten Einschlag und leitet den Stromstoss in den Boden und dort in eine Erdungsanlage ab. Der innere Blitzschutz schützt vor indirekten Einschlägen. Denn ein Blitzeinschlag kann in bis zu 2 Kilometern Entfernung für gefährliche Überspannung im Stromnetz sorgen. Diese kann Elektronikkomponenten zerstören oder gar zu Bränden führen. Die einfachste Schutzlösung ist ein Kombi-Überspannungsableiter, den jede konzessionierte Fachperson in der Elektroverteilung installieren kann.
Pfützen ...
Dass Wasser immer seinen Weg findet, wissen alle, die schon einmal mit einem Wasserschaden zu kämpfen hatten. Gegen Wasser, das von aussen eindringt – Grundwasser, Kanalisationsrückstau, einsickerndes Regenwasser – helfen in der Regel nur bauliche Massnahmen und regelmässige Zustandskontrollen. Doch was, wenn der Schlauch der Waschmaschine tröpfelt, die Badewanne leckt oder das Brünneli undicht ist? Wenn man morgens in einer Pfütze steht, ist der Schaden meist schon recht gross. Für die Früherkennung von Lecks können deshalb Wassersensoren hilfreich sein, die es natürlich in smarten Ausführungen gibt. Die integrierten Messsonden erfassen Feuchtigkeit schon in geringen Mengen und geben Alarm, entweder akustisch oder über eine Meldung auf das Handy. So lassen sich Lecks zwar nicht verhindern, aber so frühzeitig entdecken und beheben, dass keine allzu grossen Wasserschäden entstehen.




